Donnerstag, September 29, 2005

B.A.nkrott

Wie gerne lese ich doch den OnlineSpiegel. Heute offenbart er, daß nach seriösen Einschätzungen die "neuen" Bildungsabschlüsse Bachelor und Master eher ablehnende betrachtet werden.

Wie überraschend. Im Reformlabor wird mal locker (und berechtigterweise) ein Bildungssystem, welches auf der Maxime "hab ach, Theologie, Juristerei und Medizin studiert" (falsch aus dem defekten Hinterstübchen nach Goethe zitiert) umgekrempelt, und das in Deutschland. Deutschland ist ja quasi das deregulierteste und flexibelste Land Europas. Veränderungen gehen hier schnell.

Vor allem in Bereichen, wo der Student so lange zur Mensa ging, bis er brach, "Quod libet!", ach du schöne Studienzeit. Mumpitz. Das Studium in Deutschland ist verschult und obskur. Wer schon einmal das Vergnügen eines Universitötsbesuches hatte, wird sich mit Schrecken an chaotische, serviceferne Zustände, verbohrte Lehrkörper und wolkenkuckucksheimbewohnende Studentenvertreter erinnern.

Im besagten Spiegel-Artikel echauffiert sich die Ärzteschaft über eine eventuelle Umstellung des Medizinstudiums in Richtung Bologna: "Das wird zu einer Erosion des Arztberufs führen. Wir brauchen keine Spezialisten für das rechte Knie oder das linke Ohr." Da haben wir ja auch schon genug von. "Ein klares Berufsfeld gibt es für unsere Absolventen nicht, das stimmt" ist der Tenor gegenüber dem Jura-BA. Warum eigentlich nicht?

Es stellt sich diese berechtigte Frage, die ja nachgerade im Bereich der Jurisprudenz schon seit einigen Jahrzehnten diskutiert wird (Stichwort einstufige Juristenausbildung). Warum muß man alle Spezialprobleme akademischer Provenienz pauken, die man im späteren Berufsleben höchstwahrscheinlich nie wieder benötigen wird. Warum sollen Juristen und Mediziner zu forschungsbefähigten Halbgöttern in wahlweise weiß oder Maßanzug ausgebildet werden? Learning by doing ist an den Universitäten ja immer noch ausschließlich ein Anglizismus. Und das nicht nur auf Seiten der Bildungsträger, sondern auch der Studentenvertreter, die bei jeder Reform sofort den Ausverkauf der Bildung anmahnen, allerdings nicht in der Lage sind, Alternativen zum Ist-Zustand aufzuzeigen, bzw. alles lebens- und wirtschaftsnahe sofort niederbrüllen.

Hier geht es auch darum, die verkrusteten Fächer entsprechend lebensnah zu reformieren. Wenn man in Deutschland immer noch der Meinung ist, man sei ein Volk der Dichter und Denker, eine Tatsache, die man übrigens im nachmittäglichen Privatfernsehen immer wieder bewiesen bekommt, dann ist das löblich und irgendwie spinnert.

Vielleicht sollte man abkehren vom allgemeinen Fachidiotentum, dem Prinzip Oberarzt und Oberstaatsanwalt. Das würde sicherlich so manche Diskussion auch offiziell überflüssig machen und dem Aufbrechen der Krusten Vorschub leisten.

http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,376801,00.html

Nachsatz:

Der heutige Online-Spiegel gibt mir in Teilen recht: http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,379982,00.html