Mittwoch, August 24, 2005

Wartehalle

Wenn behauptet wird, das Deutschland stagnieren würde, ist das sicherlich viel vorwahliche Panikmache. Das ein wenig beschleunigt werden könnte steht außer Frage.

Einen Großteil meines Arbeitstages verbringe ich mit Warten. Warten auf Informationen, Angebote, Rückrufe und E-Mails. Viele Unternehmen scheinen nicht in der Lage zu sein, zeitnah relevante Informationen zu liefern. Meist ist es die Unkenntnis der Ansprechpartner, oftmals versacken Anfragen in den Firmenhierarchien und im Kompetenzwirrwarr.

Mein relativ neues Mobiltelefon hat ein unangenehmes Eigenleben entwickelt. Ich hätte gerne ein neues, zumindest aber das alte repariert und in der Zwischenzeit ein Leihgerät. Der Service des Mobiltelefondienstes ist schlecht erreichbar, beim dritten Versuch dringe ich durch. Und erfahre, daß man mir nicht weiterhelfen könne. Also maile ich den Servicepartner des Telefonherstellers an und bekomme eine Woche lang keine Antwort. Als ich dort anrufe, bedauert man den Einzelfall (mir ist bekannt, daß besagtes Telefonmodell im Freundes- und Bekanntenkreis verbreitet und nicht gerade zuverlässig ist) und teilt mir mit, daß ich das Gerät einschicken sollte. Ein Ersatzgerät könne man leider nicht zur Verfügung stellen, ich sollte mich an den Mobilfunkanbieter wenden, was aber erfahrungsgemäß wohl aussichtslos sei. Danke. Ich benutze mein Mobiltelefon natürlich nicht zum telefonieren, sondern nur um mir täglich verrückte Frösche und besoffene Elche zu besorgen. Ein paar Tage später -mein Mobiltelefon klingelt nicht mehr, sondern informiert mich mittlerweile per SMS über nicht durchgestellte Anrufe, also alle- platzt mir der Arsch und ich sage dem Mobilfunkanbieter Kapitel und Vers auf. In den nächsten Tagen wird das Gerät an der Haustür getauscht werden. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Für die Anpassung einer Webseite benötige ich wesentliche Informationen über Bemaßungen und Dateiformate. Mein Anruf erreicht nach mehreren Weiterleitungen einen sichtlich überforderten Admin, der verspricht, mir alles einmal asap herüberzumailen. Warten auf Godot. Der Job ist bekannterweise dringend, für die Antwort hat man alle Zeit der Welt. Meine E-Mail-Erinnerung kommt wahrscheinlich irgendwo an, nur nicht da, wo sie soll und hat keinen Effekt. Die Antwort kommt fünf Stunden später. Die Zeit erklärt sich, weil man ein zweiseitiges Fax einscannen mußte.

An einem Donnerstag habe ich bei einer Druckerei die unscheinbare Menge von 10.000 Flyern abgeholt, die ich mangels entgegenkommender Paketdienste dann eigenhändig zur Post schaffen konnte. Für den Spottpreis von €126 sicherte man mir dann die Lieferung am nächsten Werktag zu. Am folgenden Dienstag erkundigt sich die Druckerei -die Flyer sind als Beilage für eine Zeitschrift bestimmt- nach deren Verbleib. Alarm. Mittwochs, nach sechs Tagen, hat es die Post geschafft, die Pakete anscheinend per Maultierkarawane von Norddeutschland nach Würzburg zu bewegen. Laut Aussage des Empfängers können auch fast alle Flyer verwendet werden.

Für einen Kunden benötige ich eine Fahrzeugbeschriftung. Über das Kontaktformular der Herstellerwebseite schicke ich eine entsprechende Anfrage. Drei Tage später rufe ich dort an um mich nach dem Stand der Dinge zu erkundigen. Man ist nicht wirklich begeistert von meinem Ansinnen einen Auftrag zu erteilen, nach den genervten Reaktionen der Gesprächspartnerinnen zu urteilen. Meine Bitte, mir eine funktionierende Emailadresse mitzuteilen wird dennoch erfüllt.

And so it goes, ad nauseam. Morgen kommt der neue Houllebecq, wenigstens ein Lichtblick.

german angst pt.2