Donnerstag, August 18, 2005

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"Frau sucht alt-68er, der sich Weiterentwickelt hat für genussvolles aufeinander beziehen" (Mox 16/05)

Was meint diese Anzeige?
Eine traumhafte Kombination. Technokratisch direkt wird jegliche Zuneigung unter den Oberbegriff "aufeinander beziehen" subsumiert, das schreit geradezu nach Beziehungsvertrag und Jutekondom.

Man kann es sich lebhaft vorstellen: ein vollbärtiger Bluesfanatiker radelt mit seinem Tourenfahrrad in die emanzipierte WG der "Frau" um dort unter den Argusaugen der versammelten kritischen Weiblichkeit den Spültest zu bestehen und im Sitzen probezupinkeln.

Sollte er diesen Test bestehen und danach ein von drei Frauen (nicht [mehr] mit ihm verwandt oder verschwägert) unterzeichnetes Redlichkeitszeugnis für vergangenene Beziehungen vorweisen können, dann kann es losgehen mit der Beziehung.

Die wahrscheinlich hennarote, mit lustigen Ethnoklamotten und Minderheitenschmuck ausstaffierte, vollschlanke Pädagogin (zur Zeit wegen berufs- und systembedingter Depressionen krank geschrieben) wird an seine Schuldgefühle appelieren und einen guten Menschen aus dem guten Ansatz "68er" machen.

Das ist wahre Romantik. Wäre ich doch auch pc, es könnte so schön sein.

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